Dienstag, 5. September 2017

ORTE DES PROTESTS



LABOR FÜR PERFORMATIVE STADTFORSCHUNG: DIE UNSICHTBARE STADT
8.09.-10.09.2017, Frankfurt

Frankfurt calling! Seit 2012 organisiert laPROF, der Landesverband der professionellen freien Darstellenden Künste in Hessen, Labore für performative Forschung. Das aktuelle Labor findet vom 8.09. bis 10.09.2017 in Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt performative Stadtforschung (Projektleitung: Jan Deck) statt. Neben LIGNA, Diana Wesser und Herder/Hahn stellen wir unsere künstlerische Arbeitsweisen vor und nehmen ORTE DES PROTESTS in den Blick: In Deutschlands Finanzmetropole suchen wir nach dem "wo" und dem "wie" der Kämpfe und der akustischen Kartographien der Revolten. Welche anderen Orte schlafen in der Gegenwart und welche anderen Gegenwarten suchen die Orte unseres Alltags heim? WALKING 'BOUT THE REVOLUTION!

Foto: Raymond Romanos

Mittwoch, 23. August 2017

PREFACE: DEMONSTRATION

PREFACE: DEMONSTRATION (23min.) goes Wittenberg! 
Die preisgekrönte Hörstückproduktion läuft am Freitag, den 25.08.2017, 20Uhr, im Rahmen des Hörspielfestivals in Wittenberg

Wie klingt Protest? Wie bringt er die Verhältnisse zum Tanzen? Wie funktioniert seine akustische Rhetorik? Und: Wie klingt Protest nach? Während der Demonstrationen gegen die FaschistInnen, Neonazis und RassistInnen von Legida in Leipzig ist eine eigene Politik des Klangs, eine eigene Klangwelt entstanden – eine Live-Bricolage aus Chören, mobilen Perkussionsgruppen, Motorengeräuschen, Pfiffen und Trillerpfeifen, Gesprächsfetzen, Durchsagen, Lachen, Schreien, Alltagsgeräuschen und und und… – ein komplexer akustischer Assoziations- und Disassoziationsraum, den friendly fire dokumentiert und zum Ausgangspunkt einer Radiokomposition genommen haben. Das Hörstück PREFACE: DEMONSTRATION basiert vollständig auf dem Audiomaterial, das während der Anti-Legida-Demonstrationen dezentral, improvisiert und punktuell aufgezeichnet wurde. Parallel wurde es durch friendly fire kompositorisch arrangiert, bearbeitet, ge-remixt, verfremdet, und neu zusammengesetzt. Aus diesem Prozess ist ein Track zwischen Straße und Disco, LSD-Trip und Field Recording, Noise und Pop entstanden – zu gleichen Teilen Soundlandschaft wie Chor. No Legida! PREFACE: DEMONSTRATION!

Eine Produktion von friendly fire in Kooperation mit Radio Blau und Hörspielsommer Leipzig. Team: Melanie Albrecht, Michael Wehren, Chöre, diverse Musikgruppen, Polizeihubschrauber, Protestierende, LVB-Durchsagen u.a. 

Sonntag, 30. Juli 2017

NIBELUNGEN: RING (2012)
























Wiederaufnahme des Audiowalks NIBELUNGEN: RING (2012) im Rahmen von Geräuschkulisse (Anmeldung+Anleitung via www.geraeuschkulisse.org)

31.07.2017, 20Uhr, Startpunkt: Endhaltestelle Lößnig - im Anschluss Gespräch mit friendly fire

Ob im Werk Friedrich Hebbels, den Opern Richard Wagners, den Stummfilmen Fritz Langs, der Musik der Ex-Velvet Underground Sängerin Nico oder in den Stücken Heiner Müllers – die Nibelungen sind ein deutscher Nationalmythos: „Deutschland spielt immer noch die Nibelungen.“ (Heiner Müller)
Die „Nibelungen“ und der „Ring“ sind ein Faszinosum der deutschen Geschichte, insbesondere dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erscheinen sie als nationaler Gründungsmythos. Zugleich handelt es sich um einen konkreten Ort in Leipzig: 1929/1930 wurde hier im Stadtteil Lößnig unter der Leitung des Architekten und Stadtbaurats Hubert Ritter eine aus 24 Häusern bestehende Siedlung gebaut. In Form dreier konzentrischer Ringe angelegt, bilden die 624 Wohnungen der Siedlung ein „Fadenkreuz der Moderne“ (Christian Geinitz) im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ rund um den zentralen „Siegfried“- Platz und den „Nibelungenring“. Die heute auch als „Nibelungensiedlung“ oder „Rundling“ bezeichnete Anlage ist zugleich modernistische Wohnutopie wie auch eine panoptische Schauanordnung unter dem Vorzeichen eines deutschen Nationalmythos. In der Figur der Nibelungen vereinen sich somit auf engstem Raum Architektur-, Literatur-, Film- und Theatergeschichte sowie ein politischer Mythos des 19. und 20. Jahrhunderts. Nibelungen: Ring greift in Form eines Audiowalks die Splitter und Bruchstücke deutscher Geschichte im Medium des Hörens auf und lädt die Teilnehmer- Innen zu einer Wanderung durch ihre akustischen Echos ein. Denn schon von Wagner stammt der Wunsch nach einem Theater der Vorstellung: „[...] nachdem ich das unsichtbare Orchester geschaffen, möchte ich auch das unsichtbare Theater erfinden!“ Dabei ist die Leipziger „Nibelungensiedlung“ selbst Schauplatz wie Gegenstand der Aufführung: als ein dichter Erinnerungs- und Assoziationsraum, welcher sich mit dem Realraum der Anlage sowie den Entwürfen Wagners, Langs, Hebbels und anderem überlagert. In der begehbaren Performance zwischen Audioinstallation und Audiowalk begeben sich die BesucherInnen auf eine Expedition durch die unsichtbaren Imaginationsräume eines modernen Mythos und die Entwürfe eines anderen, modernen Lebens. Während die Architektur selbst als Projektionsfläche erscheint, wird der Nibelungen-Mythos zugleich als Medium der Ängste und Wünsche, der Phantasmen und des Begehrens der Moderne erfahrbar.

Eine Produktion von friendly fire. In Kooperation mit Radio Aporee, Radio Blau, Hörspielsommer Leipzig und Geräuschkulisse. 

Freitag, 14. Juli 2017

GO! FATZER! GO!


GO! FATZER! GO! 
15.07.2017, 17Uhr, Ringlokschuppen Ruhr

Wo sind wir hier eigentlich? Oder – mit Fatzer: "Vor allem wissen / An welchem Punkt der Landkart wir / Aus der blutbeschmierten, undeutlichen, verdammten Erdkruste / Herausgekrochen sind".
Mit dem performativen Rundgang GO! FATZER! GO! machen sich friendly fire mitten in Mülheim auf die Suche nach der Gegenwart der Stadt Mülheim und ihren Orten: "Kriegt man hier Fleisch?" "In was für Kleidern geht das Volk?" Und: "Warum schreit ihr so?" 
Zugleich führt der Rundgang durch die imaginären Zeiten und Räume des "Theaters der Zukunft" und des Pädagogiums, welche die heutigen Orte Mülheims überlagern und heimsuchen. Der Walk wird so zum Ghostwalk – denn: "Wie früher Orte kamen aus Vergangenheit / So jetzt aus Zukunft ebenso". Auf Brechts "Fatzer, komm" antworten wir im Chor: "GO! FATZER! GO!" und beginnen den Rundgang als Untergang:

"Was immer du denkst, verschweig es
Geh hinaus mit uns mechanisch!
Geh, wie einer grüßt: weil's üblich
Vollführ die Bewegung, die 
Nichts bedeutet."

Von/Mit: Melanie Albrecht, Clara Minckwitz, Michael Wehren, Helena Wölfl
Eine Produktion von friendly fire in Kooperation mit Ringlokschuppen Ruhr. Fotos: Stephan Glagla



Dienstag, 27. Juni 2017

DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA

"[…] Ein Work in Progress, fragmentarisch und skizzenhaft, als Kostprobe vom Leipziger Performancekollektiv Friendly Fire im Rahmen der jüdischen Woche: erste und viel versprechende Resultate eines Gedankenspiels, das sich in wenigen szenischen Strichen und Punkten auf der Bühne ausbreitet. Gleich einer Schachpartie zwischen Historie und Utopie zeigt sich ein Was-wäre-wenn-Exkurs, dessen weitere Züge und Ausgang freilich noch nicht abzusehen sind. […] Das Heilige Land: eine kollektiv bewirtschaftete, jüdisch-afrikanisch-atheistische Enklave. Wie wäre das Leben in dieser? Welche Historie, welche Zukunft hätte so ein Staat? Wäre die Geschichte dort ohne Idi Amin oder Milton Obote ausgekommen? Wäre die Amtssprache Swahili oder Hebräisch? Und wie würden die Juden mit Bantu und Niloten, den ugandischen Volksgruppen, zusammen leben? Besser als mit den Palästinensern? Und welche persönlichen Geschichten fügten sich in die Geschichte dieses Staates? Einmal mehr unternehmen Friendly Fire den Versuch, nicht nur derlei eventuelle Konjunktivfragen zu beantworten, sondern den Konjunktiv gleichsam zu torpedieren. Die Setzung: Utopia exist! Muss ja so sein, wenn die Botschaft zum Empfang lädt. Zum diplomatischen Corps gehören auf der Bühne nicht nur Melanie Albrecht und Helena Wölfl vom Team, sondern auch die Israelis Tami Leibovits und Asaf Aharonson. Tänzerin und Tänzer – gleichsam Augenzeugen. Repräsentanten einer Imagination. Und alle Vier beherrschen die Gesten des diplomatischen Dienstes am Gast. Winken, Händeschütteln, Schulterklopfen – doch natürlich läuft das aus dem Ruder, treibt davon in einen künstlerischen Assoziationsraum, der abstrakt und direkt zugleich, auf alle Diplomatie pfeifend Themenstränge spannt, Optionen eröffnet." 
(LVZ, 26.06.2017, Steffen Georgi) // Fotos: Thomas Puschmann


















Dienstag, 20. Juni 2017

DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA























DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA - THE STATE OF THINGS TO COME
24.06.2017, 20Uhr, LOFFT-Das Theater

(30min. Performance + 30min. Diskussion)

LASS DIR RATEN: GRÜNDE STAATEN! 2017 feiert die ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA ihr 100-jähriges Bestehen und eröffnet zu diesem Jubiläum erstmals eine ihrer Botschaften in Leipzig!
OUT OF PLACE AND OUT OF TIME: Als NACHTASYL (Max Nordau) für all diejenigen, die sich auf der Flucht vor dem ‚dunklen Kontinent‘ Europa befinden, ist die ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA ein Traumstaat aus der Zukunft der Vergangenheit und ihren verschütteten Utopien. Während des 6. Zionistischen Kongresses im Jahr 1903 als politisch-territoriale Option unter dem Namen Uganda-Plan diskutiert, blieb die Republik lange OUT OF VIEW. Doch zum hundertsten Jahrestag seiner Gründung nimmt der STATE OF THINGS TO COME Kontakt mit dem Rest der Welt auf: Nach der Prager Botschaftseröffnung im März 2017 öffnet JETZT innerhalb kürzester Zeit die zweite ex(kon)temporäre Botschaft der Republik in Leipzig ihre Tore. Zwischen den Halluzinationen von Moderne und Geschichte, Löwen und Sozialismus, Bauhaus-inspirierten Kibbuzim und Savannen konstruieren friendly fire + Gäste Bruchstücke einer anderen Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts an der Grenze von Traum und Erwachen.

Dienstag, 23. Mai 2017

EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS






EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS

Premiere: 25.05.2017 - 20:30 bis 22:00 Uhr
Aufführungen: 26.05.2017 / 27.05.2017 - 14:00 bis 19:00 Uhr
(Ein Durchgang dauert 30min. und kann individuell begonnen werden.)
Kongresshalle am Zoo,Telemann-Saal - im Rahmen des Kirchentags/Reformationsjubiläums in Leipzig

I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME – mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS ziehen friendly fire den konsequenten Schluss aus der Bibel-Losung „Du siehst mich“. Die Teilnehmenden erwartet ein experimenteller Limbus, in dem das Theater der Blicke auf die Stimmen eines unsichtbaren Theaters trifft.

Dass man gesehen wird und sich im Blick eines anderen darstellt, gehört zu den Grunderfahrungen der Moderne wie auch des Glaubens. Die Losung „Du siehst mich.“ ist für friendly fire deshalb Ausgangspunkt für eine Befragung unseres heutigen Gesehen-Werdens, der Position der Einzelnen im Blick des Anderen und der Bedeutung des Glaubens an den Anderen hinter dem Blick. So wie die Reformation eine Verweltlichung der Welt, eine Entdeckung der Gegenwart, darstellte, so installierte sie auch ein anderes Verhältnis zu Gott und zur Gesellschaft. Der Blick Gottes war nun ein beinahe intimer, einer, der sich der Welt und den Einzelnen zuwendet. „Du siehst mich.“ meint dabei auch: Jemand ist da und schaut nach mir. God actually cares. Und indem Gott schaut, ist er da. Heute könnte man fast auf die Idee kommen, dass die überall vorhandenen Überwachungskameras und panoptischen Anordnungen der Gegenwart versuchen einen ähnlichen Effekt hervorzurufen: Wenn da Kameras sind, muss auch jemand da sein, der zuschaut. You are not alone! „Big brother is watching you“ wäre also ein im Modus der Drohung verstecktes Versprechen.

Mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS setzen sich friendly fire mit den Bedingungen und Praxen des Glaubens im optisch-visuellen Dispositiv der Gegenwart auseinander. Gibt es ein Jenseits der visuellen Präsenz und ihrer Materialität? Schaut Gott zu? Oder entspricht die Szene der Gegenwart eher dem christlichen Limbus, in welchem die ungetauften Kinder im Glauben des Mittelalters unter Vorenthaltung der Anschauung Gottes lebten? Mit Giorgio Agamben müsste man dann vielleicht über sie sagen: „Es ist nicht Gott, der sie vergaß, sondern sie haben ihn je schon vergessen, und über dieses Vergessen hat die göttliche Vergesslichkeit keine Gewalt.“ Oder um es mit dem 80er Jahre Popstar Rockwell zu singen: I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME!

VON/MIT: Melanie Albrecht, Jemina Coletta, Jasmin Daka, Anne-Sophie Dautz, Karoline Günst, Susann Jehnichen, Jennifer Ressel, Seetyca, Michael Wehren, Helena Wölfl

Foto: Jennifer Ressel