Freitag, 14. Juli 2017

GO! FATZER! GO!



GO! FATZER! GO! 
15.07.2017, 17Uhr, Ringlokschuppen Ruhr

Wo sind wir hier eigentlich? Oder – mit Fatzer: "Vor allem wissen / An welchem Punkt der Landkart wir / Aus der blutbeschmierten, undeutlichen, verdammten Erdkruste / Herausgekrochen sind".
Mit dem performativen Rundgang GO! FATZER! GO! machen sich friendly fire mitten in Mülheim auf die Suche nach der Gegenwart der Stadt Mülheim und ihren Orten: "Kriegt man hier Fleisch?" "In was für Kleidern geht das Volk?" Und: "Warum schreit ihr so?" 
Zugleich führt der Rundgang durch die imaginären Zeiten und Räume des "Theaters der Zukunft" und des Pädagogiums, welche die heutigen Orte Mülheims überlagern und heimsuchen. Der Walk wird so zum Ghostwalk – denn: "Wie früher Orte kamen aus Vergangenheit / So jetzt aus Zukunft ebenso". Auf Brechts "Fatzer, komm" antworten wir im Chor: "GO! FATZER! GO!" und beginnen den Rundgang als Untergang:

"Was immer du denkst, verschweig es
Geh hinaus mit uns mechanisch!
Geh, wie einer grüßt: weil's üblich
Vollführ die Bewegung, die 
Nichts bedeutet."

Von/Mit: Melanie Albrecht, Clara Minckwitz, Michael Wehren, Helena Wölfl
Eine Produktion von friendly fire in Kooperation mit Ringlokschuppen Ruhr.

Dienstag, 27. Juni 2017

DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA

"[…] Ein Work in Progress, fragmentarisch und skizzenhaft, als Kostprobe vom Leipziger Performancekollektiv Friendly Fire im Rahmen der jüdischen Woche: erste und viel versprechende Resultate eines Gedankenspiels, das sich in wenigen szenischen Strichen und Punkten auf der Bühne ausbreitet. Gleich einer Schachpartie zwischen Historie und Utopie zeigt sich ein Was-wäre-wenn-Exkurs, dessen weitere Züge und Ausgang freilich noch nicht abzusehen sind. […] Das Heilige Land: eine kollektiv bewirtschaftete, jüdisch-afrikanisch-atheistische Enklave. Wie wäre das Leben in dieser? Welche Historie, welche Zukunft hätte so ein Staat? Wäre die Geschichte dort ohne Idi Amin oder Milton Obote ausgekommen? Wäre die Amtssprache Swahili oder Hebräisch? Und wie würden die Juden mit Bantu und Niloten, den ugandischen Volksgruppen, zusammen leben? Besser als mit den Palästinensern? Und welche persönlichen Geschichten fügten sich in die Geschichte dieses Staates? Einmal mehr unternehmen Friendly Fire den Versuch, nicht nur derlei eventuelle Konjunktivfragen zu beantworten, sondern den Konjunktiv gleichsam zu torpedieren. Die Setzung: Utopia exist! Muss ja so sein, wenn die Botschaft zum Empfang lädt. Zum diplomatischen Corps gehören auf der Bühne nicht nur Melanie Albrecht und Helena Wölfl vom Team, sondern auch die Israelis Tami Leibovits und Asaf Aharonson. Tänzerin und Tänzer – gleichsam Augenzeugen. Repräsentanten einer Imagination. Und alle Vier beherrschen die Gesten des diplomatischen Dienstes am Gast. Winken, Händeschütteln, Schulterklopfen – doch natürlich läuft das aus dem Ruder, treibt davon in einen künstlerischen Assoziationsraum, der abstrakt und direkt zugleich, auf alle Diplomatie pfeifend Themenstränge spannt, Optionen eröffnet." 
(LVZ, 26.06.2017, Steffen Georgi) // Fotos: Thomas Puschmann


















Dienstag, 20. Juni 2017

DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA























DIE ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA - THE STATE OF THINGS TO COME
24.06.2017, 20Uhr, LOFFT-Das Theater

(30min. Performance + 30min. Diskussion)

LASS DIR RATEN: GRÜNDE STAATEN! 2017 feiert die ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA ihr 100-jähriges Bestehen und eröffnet zu diesem Jubiläum erstmals eine ihrer Botschaften in Leipzig!
OUT OF PLACE AND OUT OF TIME: Als NACHTASYL (Max Nordau) für all diejenigen, die sich auf der Flucht vor dem ‚dunklen Kontinent‘ Europa befinden, ist die ZIONISTISCH-SOZIALISTISCHE REPUBLIK UGANDA ein Traumstaat aus der Zukunft der Vergangenheit und ihren verschütteten Utopien. Während des 6. Zionistischen Kongresses im Jahr 1903 als politisch-territoriale Option unter dem Namen Uganda-Plan diskutiert, blieb die Republik lange OUT OF VIEW. Doch zum hundertsten Jahrestag seiner Gründung nimmt der STATE OF THINGS TO COME Kontakt mit dem Rest der Welt auf: Nach der Prager Botschaftseröffnung im März 2017 öffnet JETZT innerhalb kürzester Zeit die zweite ex(kon)temporäre Botschaft der Republik in Leipzig ihre Tore. Zwischen den Halluzinationen von Moderne und Geschichte, Löwen und Sozialismus, Bauhaus-inspirierten Kibbuzim und Savannen konstruieren friendly fire + Gäste Bruchstücke einer anderen Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts an der Grenze von Traum und Erwachen.


THE ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA - THE STATE OF THINGS TO COME
24.06.2017, 8pm, LOFFT-Das Theater

LASS DIR RATEN: GRÜNDE STAATEN! In 2017 the ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA celebrates it's first 100 years of existence and opens up its first embassy in Leipzig on the occasion of this jubilee.
OUT OF PLACE AND OUT OF TIME: As a NIGHTASYLUM (Max Nordau) for all those who are trying to escape from the 'dark continent' called Europe the ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA is a dreamstate from the future of the past and its buried utopias. Discussed for the first time as the "Uganda-Plan" during the 6th Zionist Congress in 1903 as a political-territorial option, the republic has been OUT OF VIEW for a long time. But on the occasion of its 100th anniversary of its foundation the STATE OF THINGS TO COME establishes contact with the rest of the world: After its embassy opening in Prague in march 2017 NOW the second ex(con)temporary embassy of the republic opens its doors in Leipzig. Between the hallucinations of modernity and history, lions and socialim, Bauhaus-inspired Kibbuzim and savannas friendly fire and their guests construct fragments of a different history of the 20th and 21st century at the borders of dream and waking-up.

TEAM: Asaf Aharonson, Melanie Albrecht, Tami Leibovits, Dror Liberman, Eyal Segal, Isabel Soares, Michael Wehren, Helena Wölfl


Eine Produktion von friendly fire in Kooperation mit LOFFT - Das Theater Leipzig und Bazaar Festival in Prag. Gefördert durch Stadt Leipzig, Kulturamt und Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Findet im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig statt.


Foto: Zbyněk Riedl

Dienstag, 23. Mai 2017

EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS






EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS

Premiere: 25.05.2017 - 20:30 bis 22:00 Uhr
Aufführungen: 26.05.2017 / 27.05.2017 - 14:00 bis 19:00 Uhr
(Ein Durchgang dauert 30min. und kann individuell begonnen werden.)
Kongresshalle am Zoo,Telemann-Saal - im Rahmen des Kirchentags/Reformationsjubiläums in Leipzig

I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME – mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS ziehen friendly fire den konsequenten Schluss aus der Bibel-Losung „Du siehst mich“. Die Teilnehmenden erwartet ein experimenteller Limbus, in dem das Theater der Blicke auf die Stimmen eines unsichtbaren Theaters trifft.

Dass man gesehen wird und sich im Blick eines anderen darstellt, gehört zu den Grunderfahrungen der Moderne wie auch des Glaubens. Die Losung „Du siehst mich.“ ist für friendly fire deshalb Ausgangspunkt für eine Befragung unseres heutigen Gesehen-Werdens, der Position der Einzelnen im Blick des Anderen und der Bedeutung des Glaubens an den Anderen hinter dem Blick. So wie die Reformation eine Verweltlichung der Welt, eine Entdeckung der Gegenwart, darstellte, so installierte sie auch ein anderes Verhältnis zu Gott und zur Gesellschaft. Der Blick Gottes war nun ein beinahe intimer, einer, der sich der Welt und den Einzelnen zuwendet. „Du siehst mich.“ meint dabei auch: Jemand ist da und schaut nach mir. God actually cares. Und indem Gott schaut, ist er da. Heute könnte man fast auf die Idee kommen, dass die überall vorhandenen Überwachungskameras und panoptischen Anordnungen der Gegenwart versuchen einen ähnlichen Effekt hervorzurufen: Wenn da Kameras sind, muss auch jemand da sein, der zuschaut. You are not alone! „Big brother is watching you“ wäre also ein im Modus der Drohung verstecktes Versprechen.

Mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS setzen sich friendly fire mit den Bedingungen und Praxen des Glaubens im optisch-visuellen Dispositiv der Gegenwart auseinander. Gibt es ein Jenseits der visuellen Präsenz und ihrer Materialität? Schaut Gott zu? Oder entspricht die Szene der Gegenwart eher dem christlichen Limbus, in welchem die ungetauften Kinder im Glauben des Mittelalters unter Vorenthaltung der Anschauung Gottes lebten? Mit Giorgio Agamben müsste man dann vielleicht über sie sagen: „Es ist nicht Gott, der sie vergaß, sondern sie haben ihn je schon vergessen, und über dieses Vergessen hat die göttliche Vergesslichkeit keine Gewalt.“ Oder um es mit dem 80er Jahre Popstar Rockwell zu singen: I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME!

VON/MIT: Melanie Albrecht, Jemina Coletta, Jasmin Daka, Anne-Sophie Dautz, Karoline Günst, Susann Jehnichen, Jennifer Ressel, Seetyca, Michael Wehren, Helena Wölfl

Foto: Jennifer Ressel

Sonntag, 16. April 2017

NIGHTWALKERS MALMÖ



NIGHTWALKERS MALMÖ
21.04./22.04./24.04./25.04./26.04./2.05./3.05./4.05. - 21:30
Start: Inkonst Malmö

NIGHTWALKERS MALMÖ is a nightly expedition, a nightwalk which playfully explores the dreams and nightmares of those who were once called “workers” or “proletarians”. In the nighttime, which undermines the order of the day, we follow, collect and engage with the traces of their individual and collective lives. We also visit and seek out specific urban “archive of workers’ dreams” which are waiting to be reactivated, revisioned and re-dreamed.
Alternating between roles of urban archivists, archaeologists of labor, co-dreamers and last (but not least!) ghost hunters, the performers invite the audience to join them on their quest to break through to the future of the 20th and 21st century. This quest takes place in Malmö’s post-industrial urban cityscape: the factories, the workers’ living quarters and their streets which are still remnants of a political future past. Come with us into a Malmö unknown! But beware: Proletarians! They only come out at night!

TEAM: Melanie Albrecht, John Hanse, Malin Molin, Oskar Stenström, Michael Wehren

A collaboration between friendly fire (Leipzig) and the swedish theater group Banditsagor (Malmö). Supported by Malmö kulturstöd, Kulturrådet and Konstnärsnämnden.



Samstag, 18. März 2017

THE ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA











"The Republic is founded on the ideas which are a common product of all uncivilized nations. It would be immortal if we would include anyone, whatever her origin, his descent, or its religion, from participating in our achievements. For you stand on the shoulders of other uncivilized people. What you own we owe to the work of other people. Therefore, we have to repay our debt. There is only one way to do it. Our motto must therefore be, now and never: You are my other."

The ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA was founded in 1917 during the turmoil of the First World War – finally turning a small part of Uganda into a refuge for those who fled from that "dark continent" known as Europe. Among the lions and savannas, dotted with Bauhaus-inspired socialist Kibbuzim, there now exists a state which is as much a utopian laboratory as Theodor Herzl's visionary "old new land". Called "the state of things to come" by its Jewish and non-Jewish citizens the ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA is as much a spatial entity as an temporal one: existing on the edge of the night of history and nightmares, it comes from the future more than it comes from the past. As a place out of place, the republic also is a time out of time, re-collecting and re-locating lost and partially forgotten futures in the night of the present. Indeed it is a STATE OF THINGS TO COME.

Now, exactly 100 years after the practically unknown founding of the ZIONIST-SOCIALIST REPUBLIC OF UGANDA, it finally opens its Embassy in Prague as part of the 2017 BAZAAR festival, in order to present its history, arts and culture to a rapt audience: "The lions of history are still dreaming! Let us look to the moles instead!"

Showing at Bazaar Festival 2017, Prague: 18.03.2017, hall 23, 7pm
With: Melanie Albrecht, Tami Leibovits, Dror Liberman, Michael Wehren, Helena Wölfl

Eine Produktion von friendly fire. In Kooperation mit LOFFT-Das Theater und Bazaar Festival Prag. Dank an Machol Shalem Dance House, Jerusalem. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.