Dienstag, 23. Mai 2017

EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS






EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS

Premiere: 25.05.2017 - 20:30 bis 22:00 Uhr
Aufführungen: 26.05.2017 / 27.05.2017 - 14:00 bis 19:00 Uhr
(Ein Durchgang dauert 30min. und kann individuell begonnen werden.)
Kongresshalle am Zoo,Telemann-Saal - im Rahmen des Kirchentags/Reformationsjubiläums in Leipzig

I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME – mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS ziehen friendly fire den konsequenten Schluss aus der Bibel-Losung „Du siehst mich“. Die Teilnehmenden erwartet ein experimenteller Limbus, in dem das Theater der Blicke auf die Stimmen eines unsichtbaren Theaters trifft.

Dass man gesehen wird und sich im Blick eines anderen darstellt, gehört zu den Grunderfahrungen der Moderne wie auch des Glaubens. Die Losung „Du siehst mich.“ ist für friendly fire deshalb Ausgangspunkt für eine Befragung unseres heutigen Gesehen-Werdens, der Position der Einzelnen im Blick des Anderen und der Bedeutung des Glaubens an den Anderen hinter dem Blick. So wie die Reformation eine Verweltlichung der Welt, eine Entdeckung der Gegenwart, darstellte, so installierte sie auch ein anderes Verhältnis zu Gott und zur Gesellschaft. Der Blick Gottes war nun ein beinahe intimer, einer, der sich der Welt und den Einzelnen zuwendet. „Du siehst mich.“ meint dabei auch: Jemand ist da und schaut nach mir. God actually cares. Und indem Gott schaut, ist er da. Heute könnte man fast auf die Idee kommen, dass die überall vorhandenen Überwachungskameras und panoptischen Anordnungen der Gegenwart versuchen einen ähnlichen Effekt hervorzurufen: Wenn da Kameras sind, muss auch jemand da sein, der zuschaut. You are not alone! „Big brother is watching you“ wäre also ein im Modus der Drohung verstecktes Versprechen.

Mit EYE: SEE: YOU. LIMBO KIDS setzen sich friendly fire mit den Bedingungen und Praxen des Glaubens im optisch-visuellen Dispositiv der Gegenwart auseinander. Gibt es ein Jenseits der visuellen Präsenz und ihrer Materialität? Schaut Gott zu? Oder entspricht die Szene der Gegenwart eher dem christlichen Limbus, in welchem die ungetauften Kinder im Glauben des Mittelalters unter Vorenthaltung der Anschauung Gottes lebten? Mit Giorgio Agamben müsste man dann vielleicht über sie sagen: „Es ist nicht Gott, der sie vergaß, sondern sie haben ihn je schon vergessen, und über dieses Vergessen hat die göttliche Vergesslichkeit keine Gewalt.“ Oder um es mit dem 80er Jahre Popstar Rockwell zu singen: I ALWAYS FEEL LIKE SOMEBODY'S WATCHING ME!

VON/MIT: Melanie Albrecht, Jemina Coletta, Jasmin Daka, Anne-Sophie Dautz, Karoline Günst, Susann Jehnichen, Jennifer Ressel, Seetyca, Michael Wehren, Helena Wölfl

Foto: Jennifer Ressel

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen